Blinde und Fremde

Im Gegensatz zum Computerspiel-Verkaufsargument physikalischer, visuell exakt dargestellter Realitätsnähe erfreut sich das Tischrollenspiel des Nachteils wie auch des Vorteils, dass es üblicherweise monomodal gespielt wird. D.h. nur eine Sinnesmodalität sorgt für die Übertragung der Inhalte, nämlich der Hörsinn. Der Rest ist Sache der ‚imaginativen Kompetenz‘ (Peter Kathe 1986) der Spieler.

Wenn der Spielleiter schon beschränkt ist auf diesen einen Sinneskanal, dann bedeutet das auch, dass die anderen Sinne der Spieler nur indirekt belegt sind. D.h. alles, was gesehen, gerochen, gefühlt und sogar interpretiert wird, liegt im Gestaltungsspielraum des Spielleiters.

Warum also nicht einmal ein Abenteuer spielen, in denen die Spieler nichts sehen? In denen die bekannte Welt komplett anders interpretiert wird als üblich?

Beispiele für solche Ideen liefert z.B. Daniel F. Galouye (1964 Autor von „Simulacron-3“, dem ‚Matrix‘-Urvater) mit „Dark Universe“, das zu 95% in der absoluten Dunkelheit eines riesigen alten Atombunkers spielt.

Uminterpretationen sind geschichtlich wesentlich beliebter, so z.B. der Klassiker von Paasche „Forschungsreise des Afrikaners Lukanga Muraka ins innerste Deutschland“, das komplett im Netz steht: http://gutenberg.spiegel.de/?id=12&xid=1987&kapitel=1&cHash=292d6a152a2

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Published in: on Oktober 4, 2008 at 1:20 pm  Schreibe einen Kommentar  
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